Haus St. Antonius

Grein a.d. Donau / Österreich



(Artikel aus der Quartalschrift "Wegbegleiter" 2020 / 3)


Mag. Elisabeth Svoboda   
                                                                         

Weihwasser


In der letzten Zeit ist aufgrund der derzeitigen Situation mit Corona das Weihwasser etwas in den Hintergrund geraten. Wir finden in den Kirchen leere Weihwasserbecken vor. Dies sollte jedoch den persönlichen Gebrauch von Weihwasser - der ja durch Entnahme aus den Weihwasserbehältern in den Kirchen nach wie vor möglich ist - nicht vergessen lassen.

Vielleicht sollte die Bedeutung des Weihwassers deshalb, aber auch ganz allgemein wieder mehr ins Bewußtsein gebracht werden.


Was ist Weihwasser?


Für das Weihwasser wird Wasser und Salz mit einer je eigenen kirchlichen Segensformel vom Priester gesegnet und sodann vermischt.

Wasser allgemein hat im Alten und Neuen Testament eine besondere und vielfältige Bedeutung; es wird in Verbindung gebracht mit Leben, Reinigung ...

Auch Salz hatte in früheren Zeiten, in der Antike eine große Bedeutung. Auch im Alten und im Neuen Testament kommt es vor. Salz diente zur Reinigung und Haltbarmachung von Speisen. Seine desinfizierende Wirkung diente auch zur Genießbarmachung von schlechtem Wasser. Sowohl Wasser als auch Salz wurden auch zur geistlichen Reinigung verwendet, zur Abwehr des Bösen.

Die Verwendung von Weihwasser in der Kirche reicht in der Kirchengeschichte weit zurück. Vermutlich kann ein Bericht als  glaubwürdig angesehen werden, wonach es bereits Papst Alexander I. (2. Jh.) umfangreich thematisiert hat. Weihwasser gibt es demnach seit den Anfängen der Kirche.

Welche Bedeutung hat Weihwasser?

Für die Segnung von Weihwasser verwendet die Kirche das sogenannte Benediktionale, ein Buch, das die Segensformeln für verschiedenste Anlässe beinhaltet. Über das Weihwasser steht darin: "Das Weihwasser weist hin auf Leben und Reinigung und erinnert an die Taufe. Beim Segnen kann es die Lebensmacht Gottes zeichenhaft verdeutlichen." (Pastorale Einführung Nr. 29).

Manchmal liest oder hört man auch von einem sogenannten exorzierten Weihwasser. Es gilt gewissermaßen als ein besonderes Weihwasser.

Was ist exorziertes Weihwasser?


Das exorzierte Weihwasser, das heute etwas Besonderes ist, ist jenes Weihwasser, das es vor dem Konzil gegeben hat, also das "normale" Weihwasser von früher. Die Segensformel für dieses Weihwasser steht im Rituale Romanum, das vor dem Konzil verwendet wurde und das alle Texte für Sakramente (außer für die Hl. Messe) und Sakramentalien enthält.

Vergleicht man die Segensformeln für Weihwasser vom Rituale Romanum und vom Benediktionale, so wird man einen Unterschied in der Länge der Texte feststellen und ebenso im Inhalt. Die Segensformel im Rituale Romanum ist wesentlich länger und - man kann wohl sagen - kraftvoller. Und noch ein wesentlicher Unterschied findet sich: Im Benediktionale handelt es sich um ein "Segnen", im Rituale Romanum um ein Segnen und ein "Exorzieren".

Exorzieren bedeutet, daß Böses "hinausbeschwört" wird. Es geht sowohl um ein Vertreiben von vohandenem Bösen als auch um ein Schützen vor dem Eindringen von Bösem.

Die Kraft, die diesem Weihwasser innewohnt, ist jene, die beim Segnen, beim Exorzieren hineingelegt wurde. Was das ist, kann ein kleiner Einblick in den Text aufzeigen. Hier einige Textstellen der deutschen Übersetzung des lateinischen Textes:


Für das Salz:
"Ich beschwöre dich, Geschöpf des Salzes, durch den lebendigen Gott ... : Du sollst ein Salz werden, vom Bösen gereinigt, zum Heile der Gläubigen, du sollst allen, die dich genießen, zur Gesundheit des Leibes und der Seele dienen; von dem Orte, an dem du ausgestreut wirst, soll fliehen und entweichen jeder Gedanke und jede Bosheit oder Hinterlist teuflischen Truges und jeder unreine Geist ..."


Für das Wasser:
"Ich beschwöre dich, Geschöpf des Wassers, im Namen Gottes ... damit du ein Wasser werdest, gereinigt vom Bösen, um alle Macht des Feindes fernzuhalten, und vermögest, den Feind selbst völlig zu bannen samt seinen abtrünnigen Engeln ..."
"O Gott ... senke in dieses Element ... die Kraft Deines Segens, damit Dein Geschöpf ... die göttliche Gnadenkraft empfange, die bösen Geister zu vertreiben und Krankheiten fernzuhalten. Was immer in Haus und Wohnung der Gläubigen mit diesem Wasser besprengt wird, soll frei bleiben von Unreinheit und bewahrt werden vor Schaden. Der Hauch ansteckender Krankheit habe dort keinen Platz, keinen Platz verderbliche Luft. Fern sollen bleiben alle Nachstellungen des heimtückischen Feindes ..."

Nach der Mischung von Salz und Wasser:
"... Wo immer es hingesprengt wird, möge durch die Anrufung Deines heiligen Namens abgewehrt werden jeder Anschlag des unreinen Geistes und weit vertrieben werden die Schrecknis der giftigen Schlange; der Heilige Geist aber sei uns allerorten nah ..."


Wie kann Weihwasser verwendet werden?


Wie teils aus dem Text hervorgeht und wie es auch in der Kirche - früher mehr als heute - praktiziert wurde, kann es neben der eigenen Bekreuzigung überallhin ausgesprengt werden, über Personen, Gegenstände, Felder, Tiere, gegen Unwetter ... , auch für die Verstorbenen im Reinigungsort, denen Weihwasser Erleichterung verschafft. Weihwasser wirkt auch aus der Entfernung.

Es kann auch exorziertes Salz ohne Vermischung mit Wasser verwendet werden - zum Ausstreuen und zum Verzehr.


Wenn jemand exorziertes Weihwasser verwenden möchte: Wo gibt es das?


Es gibt es an mehreren Orten, in mehreren Pfarren, aber es sind nicht sehr viele. Menschen nehmen oft weite Wege in Kauf, um es zu bekommen.

Wer keinen solchen Ort in der Nähe hat: Warum nicht einfach irgendwo bei einem Priester anregen und erbitten und so diese Orte vermehren?







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